Schulcloud Thüringen

eingereicht von: Renate Brodmann , 37308 Heiligenstadt

Veröffentlicht am: 01.03.2021

Welches Ziel hat die Petition?

Die Schulcloud Thüringen muss zuverlässiger arbeiten.

Wie wird die Petition begründet?

1. Keine Alternativen zur Thüringer Schulcloud
Die Thüringer Schulcloud ist (für mich) aktuell die einzige datenschutzrechtlich konforme und schulisch aktive Plattform, um mit den Schülern in Kontakt treten zu können (neben E-Mailverkehr).
2. Wille zur Arbeit mit der Schulcloud ist da
Viele Kollegen, so auch ich, haben sich darauf eingestellt und versuchen durch das Einstellen von Aufgaben, den Austausch von Dokumenten bzw. zunehmend auch über Videokonferenzen mit den Schülern in Kontakt zu bleiben und eine andere Form von Unterricht zu machen.
3. Erwartungen
Eltern stellen am mich (und andere Lehrer) die Erwartung, den Unterricht (in welcher Form auch immer) weiterzuführen.
Weiterhin die Erwartung, dass der Kontakt zwischen den Kindern erhalten bleibt.
Ich erwarte, dass ich dabei auf ein stabiles System zurückgreifen kann, ohne ständig Sorge haben zu müssen, dass es nicht läuft. Da der Unterricht in Thüringen aktuell in weiten Teilen nur über die Schulcloud möglich ist, muss diese technisch in der Lage sein, das umzusetzen. Dazu müssen technische und ggf. finanzielle Ressourcen bereitgestellt werden.

Zwischenbericht

Die Petition ist am 1. März 2021 auf der Petitionsplattform des Thüringer Landtags veröffentlicht worden. In der sechswöchigen Mitzeichnungsphase bis zum 12. April 2021 wurde die Petition von 32 Mitzeichnern unterstützt. Damit wurde das für eine öffentliche Anhörung im Petitionsausschuss notwendige Quorum von 1.500 Mitzeichnern nicht erreicht.

Der Petitionsausschuss wird die Petition in einer seiner nächsten Sitzungen inhaltlich beraten.

Abschlussbericht

Die Petition wurde am 1. März 2021 auf der Petitionsplattform veröffentlicht und im sechswöchigen Mitzeichnungszeitraum mit 33 Mitzeichnungen unterstützt. Da somit das in § 16 Abs. 1 Satz 2 Thüringer Petitionsgesetz vorgegebene Quorum von 1.500 Mitzeichnungen nicht erreicht wurde, hat der Petitionsausschuss von der Durchführung einer öffentlichen Anhörung in der Angelegenheit abgesehen.

Bei der abschließenden Beratung der Petition hat der Petitionsausschuss sowohl die Petitionsbegründung als auch eine vom Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport vorgelegte Stellungnahme berücksichtigt.

Im Ergebnis der parlamentarischen Prüfung ist nunmehr Folgendes festzustellen:

Das Angebot der TSC ist zu Beginn des letzten Jahres als Pilotprojekt mit 25 Schulen gestartet und sollte über einen Zeitraum von etwa einem Jahr getestet werden, um bestehende Probleme und mögliche Änderungswünsche zu erkennen, beheben und gegebenenfalls anpassen zu können.

Durch den Ausbruch der Corona-Pandemie stieg der Bedarf rasant und das TMBJS entschied gemeinsam mit dem Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (ThILLM), die TSC allen Schulen zur Verfügung zu stellen. Seitdem wurden mehr als 840 Schulen aufgenommen und mit Hochdruck an der Verbesserung des Angebots gearbeitet. Manche Probleme konnten jedoch erst während des Betriebs des Systems identifiziert werden. Es wird auch weiterhin ständig an der Optimierung gearbeitet.

Derzeit erlebt die Schulcloud einen Ansturm zehntausender Nutzerinnen und Nutzer. An normalen Wochentagen gibt es ca. 200.000 Logins pro Tag. Unterstellt, dass es durchschnittlich 4 bis 5 Logins pro Nutzer gibt, lässt sich ableiten, dass ca. 40.000 bis 50.000 unterschiedliche Nutzer das System jeden Tag nutzen – Tendenz steigend. Aktuell wurden durch die Lehrkräfte in den Schulen 104.370 Kurse, 25.139 Teams und 566.967 Aufgaben in der TSC angelegt und den Schüler/innen zur Verfügung gestellt. Das spricht für die rege Nutzung der Cloud.

Leider ist auch das Angebot der TSC nicht vor Cyberangriffen gefeit. Dadurch sind weitere Ausfälle des Angebots entstanden. Die TSC war im Januar und Februar zwei DDoS-Attacken ausgesetzt. Durch automatisierte Abfragen wurden die Server der TSC soweit überlastet, dass ein Neustart der Systeme notwendig war und es somit zu Einschränkungen der Verfügbarkeit der Thüringer Schulcloud kam.

Nicht nur die TSC, sondern bundesweit mehrere Cloudsysteme waren insbesondere in den Monaten Januar und Februar 2021 in Deutschland verschiedenen Attacken durch DDoS-Angriffe ausgesetzt. Fachleute haben das entsprechend öffentlich dokumentiert. Die Fachpresse und auch die einschlägigen Fachleute sind dabei einer Meinung, dass es gegen DDoS-Attacken niemals einen vollständigen Schutz geben wird.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ThILLM arbeiten mit Hochdruck daran, diese Angriffe abzuwehren, damit allen Lehrkräften und ihren Schülerinnen und Schülern die Cloud uneingeschränkt zur Verfügung steht.

Zur Verbesserung der Stabilität der TSC wurden in jüngster Vergangenheit sowohl vom Hasso-Plattner-Institut als auch vom ThILLM neue leistungsfähige Server in Betrieb genommen. Die TSC und das Thüringer Schulportal verfügen außerdem über entsprechende Absicherungen gegen verschiedene Arten von Cyberangriffen.

Darüber hinaus wurde die TSC in ein neues Rechenzentrum umgezogen, welches auch sogenannte Managed Services u.a. für DDoS-Protection bereithält, die ein schnelleres Reagieren auf Attacken ermöglichen, weil hier hochgradig automatisierte, sehr moderne Systeme der Cyberabwehr zum Einsatz kommen.

Da die TSC ein interaktives System ist, sind für das reibungslose Funktionieren stabile Internetanschlüsse, die eine solide Geschwindigkeit haben (mindestens eine stabile 16.000er DSL Leitung), Grundvoraussetzung. Leider kann das nicht jeder Privathaushalt vorhalten. Unterschätzt wird auch das Problem des Uploads. Ein 16.000er DSL-Anschluss verfügt nur über eine Uploadgeschwindigkeit von knapp über 1.000. Das heißt, wenn große Dateien in die TSC hochgeladen werden sollen, dauert das entsprechend lange.

Aufgrund der vorgenannten Ausführungen vertritt der Petitionsausschuss im Ergebnis die Auffassung, dass die Entwicklung der TSC trotz gelegentlich auftretender Probleme ein Erfolg ist. Dafür sprechen insbesondere die genannten Zugriffszahlen und Aktivitäten. Der Ausschuss hofft, dass die dargestellten Maßnahmen zukünftig zu einer Verbesserung der Stabilität der Schulcloud führen.