Thüringens kleinteilige, aber vielfältige Hochschullandschaft mit zehn Hochschulen an acht Standorten trägt wesentlich dazu bei, dass junge Menschen und Fachkräfte in Thüringen bleiben. Sie bindet diese an die Region, stärkt Innovation und regionale Wertschöpfung – insbesondere durch den Wissenstransfer in kleine und mittlere Unternehmen (vgl. Studie der TLPK, 2024). Die Verankerung in der Region und die Vielfalt der Profile sind die Stärken des Systems – sie müssen durch attraktive Studienbedingungen und verlässliche Beschäftigungsverhältnisse langfristig gesichert werden. Wie der Wissenschaftsrat in seiner Agenda „Wissenschaft in Deutschland – Perspektiven bis 2040“ betont, sind die Hochschulen Schlüsselakteur:innen für die gesellschaftliche, technologische und wirtschaftliche Transformation Thüringens (vgl. WR, 2025).
Die „Leitlinien zur Thüringer Hochschulentwicklung 2026–2030“ betonen die Bedeutung einer vielfältigen und regional verankerten Hochschullandschaft. Gemäß Regierungsvertrag bekennt sich die Landesregierung zu einer punktuellen Weiterentwicklung der Hochschullandschaft mit Schwerpunkten u.a. auf Forschung und Entbürokratisierung durch die Sicherstellung einer verlässlichen, planbaren Hochschulfinanzierung über die Rahmenvereinbarung.
Nachhaltige Strukturen brauchen eine nachhaltige Finanzierung!
Trotz der im Regierungsvertrag zugesicherten „festen Steigerungsraten“ in der Rahmenvereinbarung (Regierungsvertrag 2024-29, S. 25) reichen die jährlichen Steigerungsraten der Landeszuweisungen nicht aus, um die tatsächlichen Kostensteigerungen auszugleichen. In Aussicht gestellte Reduzierungen der Zuweisungen sowie unklare politische Aussagen, Versorgungsausgaben, bspw. durch Tarifabschlüsse, Pensionen, Bau- und Betriebskosten, zu übernehmen, führen bereits jetzt zu Verunsicherung an den Hochschulen und mitunter zur
- ·Nicht-Verlängerung befristeter Stellen und Wiederbesetzungssperren,
- ·Rückgang der Lehr- und Forschungskapazitäten,
- ·Arbeitsverdichtung und Qualitätsverlusten in Lehre, Verwaltung und Technik.
Die wiederholt betonte Wertschätzung der Hochschulen findet im Konsolidierungskurs der Landespolitik keine Entsprechung. Daher stellen wir die Frage: was sind dem TFM und TMBWK sowie den Abgeordneten des Thüringer Landtages die Wissenschaft noch wert?
Wer Exzellenzuniversitäten, Fachkräftesicherung, Innovation und gesellschaftliche Resilienz fordert, muss zunächst die verlässlichen finanziellen Voraussetzungen für die Qualitätssicherung der Kernaufgaben von Lehre, Studium und Forschung schaffen. Eine aufgabengerechte Hochschulfinanzierung ist daher keine freiwillige Leistung, sondern Voraussetzung und Verpflichtung dafür, dass Thüringen auch im Jahr 2040 ein leistungsfähiger, innovativer und attraktiver Wissenschaftsstandort bleibt.
Reformprozesse brauchen Transparenz und Beteiligung!
Im Kontext der aktuellen Diskussionen von Vertretungen der Landespolitik und Hochschulleitungen werden verstärkt hochschulübergreifende Verbund- und Zentralisierungsmodelle in Betracht gezogen. Diese sollen sowohl Bürokratie abbauen als auch die Wettbewerbsfähigkeit in der Forschung erhöhen, bergen jedoch erhebliche Risiken, wie
- ·eine Schwächung der Hochschulautonomie und der akademischen Selbstverwaltung,
- ·mögliche Einschränkungen von Mitbestimmung, Personalvertretung und Tarifstrukturen,
- ·unklare tatsächliche Einsparpotenziale bei gleichzeitig steigendem Verwaltungsaufwand durch standortübergreifende Kooperationen.
Enge Zeitpläne, fehlende Möglichkeiten zur Kommunikation und Teilhabe – an den Hochschulen selbst und mit allen Statusgruppen - am Arbeitsprozess der Rahmenvereinbarung VI gefährden Akzeptanz und die langfristige Wirkung für notwendige Änderungen an den Hochschulprofilen. Für gute und akzeptierte Entscheidungen braucht es einen offenen, wissenschaftlich fundierten Beteiligungsprozess.
Forderungen
Wir weisen die Landesregierung auf die Umsetzung der Zusagen im Regierungsvertrag hin und fordern für eine zukunftsfähige Entwicklung der Thüringer Hochschulen:
- Verlässliche Finanzierung sichern: Eine dauerhaft auskömmliche und dynamisierte Grundfinanzierung, einschließlich Ausgleich für Tarif- und Sachkostensteigerungen.
- Substanz statt Sparlogik: Kein struktureller Rückbau aus kurzfristigen Haushaltszwängen!
- Transparenter und partizipativer Reformprozess: Hochschulentwicklung gelingt nur unter Beteiligung aller Hochschulmitglieder.
- Autonomie und Mitbestimmung schützen: Hochschulautonomie, demokratische Selbstverwaltung und Mitbestimmung sind unverzichtbare Grundlagen von Forschung und Lehre und dürfen durch neue Kooperations- oder Zentralisierungsmodelle nicht eingeschränkt werden!
Nur mit verlässlicher Finanzierung und demokratischer Mitbestimmung aller Beteiligten kann die Qualität von Bildung, Wissenschaft und Forschung nachhaltig gestärkt werden!
Dafür benötigen wir Ihre Stimme!