Gerechter Abschluss durch Vornotenabitur gewährleisten

eingereicht von: Stella-Fee Steiner , 07747 Jena

Veröffentlicht am: 01.03.2021

Welches Ziel hat die Petition?

Wir appellieren an Sie, liebe Entscheidungsträger, gerecht zu handeln und an unsere Zukunft zu denken, die Sie durch diese Entscheidung beeinflussen können. Denken Sie daran, dass auch wir die Zukunft dieses Landes sind.

Wie wird die Petition begründet?

Das vergangene Jahr hat gezeigt, wie wichtig ein gerechtes Bildungssystem mit ausreichenden Ressourcen ist. Während der gesamten Pandemie ist jedoch deutlich geworden, dass solche Ressourcen kaum vorhanden sind und welche Folgen dies für die Schülerinnen und Schüler hat. Am 17. März 2020 wurden erstmals alle Schulen geschlossen, was ein wichtiger Schritt zur Eindämmung des Coronavirus war und ist. Dadurch ergaben sich jedoch neue Schwierigkeiten und Konflikte, die im Bereich Bildung besonders die Oberstufen und Abschlussjahrgänge der Gymnasien, Beruflichen Gymnasien und Gesamtschulen nach wie vor betreffen.
Während der Schulschließungen sollte der Lernstoff durch Online Unterricht kompensiert werden, später in geteilten Gruppen im Präsenzunterricht fortgeführt werden. Dies stellte die Lehrkräfte und die Schülerinnen und Schüler vor enorme Herausforderungen. Es herrschen unterschiedliche Voraussetzungen, nicht jede/r hat beispielsweise einen geeigneten Computer oder ein Lernumfeld, das für eine ausreichende Vorbereitung auf einen Abschluss benötigt wird. Weiterhin gab es gravierende Unterschiede in den Umfängen der Aufgaben. Kurz gesagt: Enorm viel Lernstoff konnte einfach nicht übermittelt werden. Eine angestrebte Kompensation durch Online Unterricht war aufgrund fehlender und mangelhafter Online Portale nicht möglich. So zum Beispiel das Thüringer Schulportal, dessen Server jeden Tag überlastet war und weiter Zeit verschwendet wurde, da geplante Konferenzen nicht stattfinden konnten. Ein Aneignen des prüfungsrelevanten Lernstoffs ohne Lehrkraft ist in dem benötigten Umfang unter diesen Umständen nicht möglich gewesen. Und auch in diesem Frühjahr hat sich kaum etwas verändert. Weitere Lockdowns folgten und auch wenn für Abschlussklassen Ausnahmeregelungen getroffen werden können, heißt dies nicht, dass diese von allen Schulen in Anspruch genommen werden. Einige Schüler und Schülerinnen oder gar gesamte Klassen müssen in Quarantäne oder Präsenzunterricht wird nach wie vor nicht aufgegriffen. Eine Alternative der Prüfung wird uns immer noch nicht geboten.
Dies sind keine normalen Umstände und Schülerinnen und Schüler haben Angst, sich selbst oder Familienangehörige mit dem mittlerweile mutierten Virus anzustecken und zu gefährden. Viele haben Familienangehörige verloren und es entstehen Belastungssituationen. Hinzukommend wird nun erwartet, eine Abschlussprüfung abzulegen, auf die wir nicht ausreichend vorbereitet werden konnten und bei deren Planung in dieser angespannten Situation jegliche Transparenz fehlt. So ist es für uns alle wie ein Sprung ins kalte Wasser. Daneben begleitet uns Zukunftsangst, da wir nicht wissen, wie es um unseren Abschluss steht. Wir wissen aber, dass wir Abschlussprüfungen unter diesen Umständen für unzumutbar und ungerecht halten. Diese stellen psychische und physische Belastungen für alle Beteiligten dar. Auch einen Vorschlag, die Prüfungszeit zu verlängern oder bestimmte Themengebiete zu kürzen halten wir nicht für einen gerechten Ausgleich, da nach wie vor die Transparenz der Entscheidungsträger uns gegenüber fehlt und auch nicht absehbar ist, wie es mit der Pandemiesituation in Deutschland weitergeht.

Darum fordern wir Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen des Abiturjahrgangs 2021 in Thüringen die Entscheidungsträger dazu auf, in Diskussion zu treten und uns einen gerechten Abschluss durch ein optionales, individuelles Vornotenabitur zu gewährleisten. Dies soll aus dem Durchschnitt der Zeugnisnoten der prüfungsrelevanten Fächer berechnet werden. Dabei sollte und muss uns die bundesweite Anerkennung dieses Abschlusses gewährleistet werden, da die Pandemiesituation alle gleichermaßen belastet. Es geht uns nicht darum, ein leichteres Abitur zu erlangen, sondern einen Ausgleich zu schaffen und ein gerechtes Abitur zu ermöglichen. Die Vergleichbarkeit des Abschlusses ergibt sich aus den Vornoten, die die Leistungen eines jeden Schülers und jeder Schülerin widerspiegeln.

Zwischenbericht

Abschlussbericht

Die Petition wurde am 1. März 2021 auf der Petitionsplattform veröffentlicht und im sechswöchigen Mitzeichnungszeitraum mit 25 Mitzeichnungen unterstützt. Da somit das in § 16 Abs. 1 Satz 2 Thüringer Petitionsgesetz vorgegebene Quorum von 1.500 Mitzeichnungen nicht erreicht wurde, hat der Petitionsausschuss von der Durchführung einer öffentlichen Anhörung in der Angelegenheit abgesehen.

Bei der abschließenden Beratung der Petition hat der Petitionsausschuss sowohl die Petitionsbegründung als auch eine vom Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport vorgelegte Stellungnahme berücksichtigt.

Der Petitionsausschuss vertritt die Auffassung, dass die Landesregierung die Sorgen der Schülerinnen und Schüler aller Abschlussklassen sehr ernst nimmt. Für die Abschlussklassen und die angestrebten Schulabschlüsse hat das TMBJS rechtzeitig alle notwendigen Vorkehrungen getroffen, um auf die unterschiedlichen Entwicklungen des Pandemiegeschehens reagieren zu können. Bereits im August 2020 hat das TMBJS für die Arbeit in den einzelnen Fächern konkretisierende Schwerpunkte zu den zentralen schriftlichen Prüfungen mitgeteilt. Vorsorglich wurden die Schulhalbjahre 12/I bzw. 13/I und 12/II bzw. 13/II verlängert und der Prüfungsbeginn an das Ende des Schuljahres verschoben, so dass für die Abiturientinnen und Abiturienten insgesamt drei Wochen mehr Zeit zum Lernen zur Verfügung steht. Darüber hinaus wurde den Schülerinnen und Schülern, die in diesem Jahr Abschlussprüfungen haben, eine frühzeitige Rückkehr in den Präsenzunterricht zur Prüfungsvorbereitung ermöglicht.

Weiterhin wurde ein Bündel von spezifischen Maßnahmen erarbeitet, zum Beispiel in den Fächern, wo es sinnvoll und leistbar ist, wird eine erweiterte Auswahl bei den Prüfungsaufgaben, gegebenenfalls mit einer verlängerten Prüfungszeit ermöglicht.

Vor allem die Abiturprüfungen des Abschlussjahrgangs 2021 werden so vorbereitet und durchgeführt, dass einerseits eine bundesweite und internationale Anerkennung, andererseits eine Vergleichbarkeit der Abschlüsse gewährleistet ist. Das Ziel des TMBJS ist es, nicht nur ein Abitur zu ermöglichen, das mit anderen Ländern vergleichbar ist, sondern das auch den Vergleich mit anderen Jahrgängen nicht scheuen muss. Daher wird an dem Ziel festgehalten, dieses Abitur mit – freilich angepassten – Prüfungen ablegen zu lassen. Mit diesem Vorgehen werden die einzelnen Prüfungen nicht leichter, die Anforderungen richten sich nach wie vor an den bestehenden Standards aus, aber sie werden die Lernsituation unter den Pandemiebedingungen berücksichtigen.

Mit der „Ersten Verordnung zur Änderung der Thüringer Verordnung zur Abmilderung der Folgen der Corona-Pandemie im Schulbereich“ und mit dem Schreiben „Festlegungen und Informationen des Thüringer Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport zur Durchführung zentraler Abschlussprüfungen, Leistungsfeststellungen, von Prüfungen zum Erwerb von Sprachzertifikaten sowie Kompetenztests im Schuljahr 2020/21“ vom 9. Februar 2021 sind verlässliche Rahmenbedingungen für die Prüfungsvorbereitung geschaffen worden.

Aufgrund der vorgenannten Ausführungen geht der Petitionsausschuss im Ergebnis seiner Beratung davon aus, dass sichergestellt ist, dass angemessene und vergleichbare Prüfungsbedingungen gewährleistet sind, die prüfenden Schulen die notwendigen Rahmenbedingungen und Freiräume zur Vorbereitung und Durchführung der Abschlussprüfungen erhalten und die länderübergreifende Anerkennung der Abschlüsse gewährleistet ist.